Dreimal im Jahr hebt in Neapel ein Erzbischof ein Reliquiar mit beiden Händen und dreht es vor einer vollen Kathedrale um. Darin klebt eine dunkle Masse an der Glaswand. Manchmal dauert es Minuten. Manchmal dauert es Stunden. Und irgendwann löst sie sich und fließt.
Die Ampulle ist seit sechshundert Jahren nicht geöffnet worden. Niemand hat je untersucht, was darin ist.
Dieses Buch versammelt sechzehn italienische Fälle von Phänomenen, die niemand ganz erklärt hat, und es hat eine einzige Eintrittsbedingung: Es muss eine Akte geben. Ein Inquisitionsprotokoll, ein ärztliches Gutachten, der Bericht eines Physiologieprofessors, der unter den Tisch eines Mediums kroch, um ihm auf die Füße zu sehen.
Über ein Haus mit Faltblatt schreibt man einen Blogeintrag. Über eine Akte schreibt man ein Buch.
In jedem Kapitel steht auch die langweilige Erklärung: der bewiesene Betrug, das thixotrope Gel, die in vierundzwanzig Stunden veröffentlichte Laboranalyse, der Nachbar mit dem Feuerzeug. In manchen Fällen gewinnt sie klar. In anderen nicht, und dort stehen sie weiter.
Der letzte Fall ist gelöst, und er steht mit Absicht am Schluss.