Florence Farrs *Ägyptische Magie* gehört zu den faszinierendsten Dokumenten der westlichen Esoterik des späten 19. Jahrhunderts. Als bedeutende Vertreterin der Hermetic Order of the Golden Dawn verband Farr die damals junge Ägyptologie mit den Vorstellungen der zeremoniellen Magie ihrer Zeit und suchte hinter den überlieferten Texten Ägyptens die Spuren einer alten Wissenschaft von Seele, Ritual und göttlicher Macht.
Im Mittelpunkt stehen die verschiedenen Aspekte des menschlichen Wesens, Ka und Ba, die magische Wirksamkeit von Namen und Worten, das sogenannte *Totenbuch*, der Magische Papyrus Harris, die Legende von Ra und Isis sowie spätantike gnostische Rituale mit geheimen Namen, Siegeln und Taufen. Dabei entsteht ein einzigartiges Bild des "magischen Ägypten", das historische Quellen und esoterische Interpretation miteinander verbindet.
Diese Ausgabe bietet eine **neue deutsche Übersetzung** und stellt Farrs Werk zugleich in seinen historischen Kontext. Umfangreiche Essays erläutern Heka, ägyptische Vorstellungen von Person und Jenseits, die Macht des geheimen Namens, die Beziehungen zwischen Ägypten und Gnosis sowie Farrs eigene Stellung innerhalb der Golden Dawn. Anmerkungen unterscheiden den Forschungsstand des 19. Jahrhunderts von heutigen Erkenntnissen, ohne den Charakter des Originaltextes nachträglich zu verändern.
Mit Glossar, Chronologie, Kommentaren zu magischen Namen, Formeln und Siegeln sowie einer weiterführenden Bibliographie bietet diese Ausgabe sowohl eine historische Quelle der modernen Esoterik als auch einen kritischen Zugang zu jener Epoche, in der das alte Ägypten für die westliche Magie neu entdeckt - und zugleich neu erfunden - wurde.