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Der Krieg der Mäuse und die Seele der Menschen
"Der Krieg der Mäuse?" Mäuse sind doch friedliche Tierchen! Die führen doch keine Kriege! - Doch, unsere "Mäuse" schon! - In diesem Buch versuchen wir, die Grundlagen einer Theoretischen Psychologie zu schaffen. Ein Lebewesen ist beseelt, deshalb lebt es. Was aber ist das: "Seele"? Nach Aristoteles ein Gefüge von Wenn-dann-Funktionen: ("Wenn a=3 und b=5, dann wird c=84.") Ungefähr 128 Milliarden solcher Funktionen gibt es allein im Gehirn. - Wir haben den
intentionalen
Kern der Seele "entziffert", nämlich die Entstehung und Erledigung von Absichten, Motiven, Zielsetzungen. - Durch Computersimulationen untersuchen wir die Gültigkeit der Theorie.
Es gibt viele Belege für die Validität der Theorie. Aber sie ist unvollständig; es fehlt die Sprache. Die aber ist die Bedingung für höhere kognitive Prozesse, für Denken und Fantasieren. Und weil unsere "künstlichen" Lebewesen, keine Sprache haben, sind es keine Menschen, sondern "Mäuse".
Unsere Mäuse handeln, sie suchen Wege zu Zielen, erkunden ihre Umgebung, finden neue Wasser- und Futterplätze und sichern so ihre Existenz. Und dabei spielen Gefühle eine Rolle; die Mäuse werden ärgerlich, sind stolz oder verzagt.
Unerwarteterweise begannen die Mäuse,
Kriege
gegeneinander zu führen. Die Kriege beeinflussen die Entwicklung der Mäuse. Die Mäuse pflanzen sich sexuell fort. Dabei gibt es Mutationen. Es zeigte sich, dass bestimmte Merkmale, die im Kriege nützlich sind, durch Mutationen fortentwickelt werden. So werden die Mäuse stärker und intelligenter, ihr
Gemeinschaftsgefühl
wächst,
Ehre
und
Stolz
spielen dadurch eine größere Rolle
.
Ohne unsere Absicht, zeigt sich bei den Mäusen eine Entwicklung, die an die derzeitige politische Situation auf dieser Welt erinnert. Die Mäuse streiten sich nicht um Seltene Erden, Lithium, Gas, Kohle oder Kupfer, sondern um Himbeerbüsche, Wasserstellen und Heilkräuter.
Also: "Der Krieg ist der Vater aller Dinge!" Das meinte schon Heraklit!
Autoren:
Dietrich Dörner, emeritierter Professor für Psychologie, Universität Bamberg
Christoph Dominik Güss: Professor für Psychologie, University of North Florida
Alex Lutsevich: Dozent am Polytechnic Institute, Rensselaar, New York