Mit dem 'Bauernspiegel' wurde aus dem Pfarrer Albert Bitzius der Schriftsteller Jeremias Gotthelf. Mit Zorn und Humor erzählt er in seinem ersten Roman das Leben eines »Verdingkindes«, dessen Weg aus der Knechtschaft es bis ins Paris der Julirevolution führt. Die Schonungslosigkeit, mit der Gotthelf der eigenen Welt - den Bauernfamilien, aber auch den Schulmeistern und Politikern - den Spiegel vorhält, sorgte schon zu Zeiten der Erstveröffentlichung für Aufruhr und hat bis heute nichts an Brisanz und Aktualität verloren.
Albert Bitzius, der Pfarrer von Lützelflüh im Emmental, ist schon 40 Jahre alt, als sein erster Roman 'Der Bauernspiegel' 1837 als »Lebensgeschichte des Jeremias Gotthelf, von ihm selbst beschrieben« erscheint. Nicht nur der Ton, auch die Perspektive dieses Buches ist neu und in der deutschen Literatur bislang ungehört: Unerbittlich rechnet 'Der Bauernspiegel' mit einer Gesellschaft ab, die ihren Ärmsten die Kinder abnötigt und diese als Leibeigene auf den Höfen verwahrlosen lässt. Ein empathischer, ein anklagender Roman, der bis zum heutigen Tag nichts von seiner erschütternden Wirkung verloren hat.
»Er ist der Dichter des Menschen, der ewig derselbe ist. Deswegen weht auch in seinem Werk eine Luft wie in der Bibel und in Homer, die sind von Himmel und Erde umfangen.«