In "Die Jungfrauen von Avignon" verbindet Joséphin Péladan psychologische Romanhandlung, symbolistische Bildsprache und die Atmosphäre des europäischen Fin de Siècle. Avignon erscheint dabei nicht bloß als historischer Schauplatz, sondern als aufgeladener Erinnerungs- und Kunstraum, in dem religiöse Imagination, erotische Spannung und die Suche nach geistiger Reinheit ineinandergreifen. Péladans elaborierter, bisweilen pathetischer Stil folgt weniger dem realistischen Abbild als einer Poetik der Andeutung: Figuren und Ereignisse gewinnen exemplarische Bedeutung, während Schönheit, Askese und Begehren als konkurrierende Formen menschlicher Selbsterkenntnis hervortreten. Der Roman steht damit im Kontext von Dekadenz, Symbolismus und katholisch-mystischer Gegenmoderne.