"Einweihung des Weibes" entfaltet eine poetisch-philosophische Untersuchung der weiblichen Initiation, in der Liebe, Erotik und geistige Erkenntnis untrennbar miteinander verbunden erscheinen. Josephin Péladan gestaltet das Werk nicht als realistischen Gesellschaftsroman, sondern als symbolistisch-dekadente Versuchsanordnung: Figuren und Situationen gewinnen allegorische Bedeutung, während kunstvolle Sprache, mystische Anspielungen und psychologische Selbstbeobachtung die Grenzen zwischen sinnlicher Erfahrung und religiöser Sehnsucht verwischen. Im Kontext des französischen Fin de Siècle steht der Text für jene Literatur, die sich gegen bürgerliche Nützlichkeitsmoral richtet und die erotische Beziehung als Weg zu höherer, wenn auch gefährdeter Erkenntnis deutet. Gerade die Spannung zwischen Ideal und Körperlichkeit verleiht dem Buch seine eigentümliche intellektuelle Intensität. Péladan (1858-1918), Schriftsteller, Kunstkritiker und Okkultist, gehörte zu den markantesten Exponenten des französischen Symbolismus. Geprägt von katholischer Mystik, mittelalterlicher Kunstverehrung und esoterischen Lehren, suchte er in seinen Schriften nach einer Erneuerung des Geistigen durch die Kunst. Seine Beschäftigung mit Geschlechterrollen, Begehren und moralischer Dekadenz entspringt daher weniger einem modernen Emanzipationsprogramm als dem Versuch, Erotik in ein sakrales Weltbild einzuordnen. Dieses Buch empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die symbolistische Prosa, dekadente Ästhetik und die geistigen Krisen der Moderne erforschen möchten. Es verlangt Aufmerksamkeit, belohnt sie jedoch mit einem vielschichtigen Einblick in Péladans eigensinnige Verbindung von Kunst, Sexualität und Mystik.
"Einweihung des Weibes" hat okkulte und religiöse Untertöne. Der Autor beschreibt die Initiation der Frau durch die Ehe, den Glauben und Gott und erörtert die Rolle und Aufgabe der Frau aus religiöser Sicht. Der Roman berührt natürlich auch das Thema Liebe.